Wohnprojektetag – Nachtrag

Der Wohnprojektetag der Stadt Stuttgart, auf den wir an anderer Stelle hingewiesen hatten und auf dem wir mit einem Stand präsent waren, war sehr interessant. Es gab diverse Vorträge und viele Interessenten, die sich (nicht nur) an unserem Stand informierten.

Unter http://www.stuttgart.de/img/mdb/item/552583/117682.pdf ist die 146-Seitige Dokumentation des Wohnprojektetags zugreifbar. Auf den Seiten 53/54 wird unser Projekt im Rahmen einer Präsentation der Stadt Stuttgart erwähnt.

Ein Vortrag den ich selbst besucht habe war „Leitfaden für Gruppenwohnprojekte“ von Astrid Holz. Deren Vortragsfolien ab Seite 100 sind vermutlich vor Allem für Leute interessant, die noch nicht in gemeinschaftlichen Wohnprojekten leben, jedoch konnte ich auch einiges lernen. Diese Folien sind ab Seite 100 im oben genannten PDF abgebildet.

 

Artikel „Wohnprojekt Bern und Stein in Heumaden: Es geht voran!“ im Wabe Blättle

Seit 2013 ist eine wachsende Gruppe von Menschendabei, in Stuttgart-Heumaden das Wohnprojekt „Bern und Stein“ entstehen zu lassen. Im März 2016 wurde schließlich mit den Bauarbeiten begonnen. Die Gruppe gibt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses gemeinschaftlichen Wohnprojekts und schildert illustrativ die Mitsprache aller Beteiligten.

Die Vorbereitungen:Im September 2013 trafen sich zum ersten Mal einige Interessent/innen im Architekturbüro Kühfuß in Stuttgart-Ost. Die Stadt bot ein Grundstück in Heumaden für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt an. Die Interessentenrunde bestand vorwiegend aus prospektiven Mieter/innen sowie
dem Bau- und Heimstättenverein Stuttgart eG und dem bhz Stuttgart
e. V. als künftigen Vermietern.

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4. Stuttgarter Wohnprojektetag

Wir nehmen am 4. Stuttgarter Wohnprojektetag teil. Unter dem Motto „Zusammen selbstorganisiert wohnen – aber wie?“ wird am 25. Juni im Treffpunkt Rotebühlplatz (im Gebäude der VHS Stuttgart) ein buntes Programm geboten. Wir werden mit einem Stand vertreten sein. Wer Fragen zu gemeinschaftlichem Wohnen hat und sich für unser Projekt interessiert kann gern vorbeikommen.

Heller Wohnen

Besichtigung des Mehrgenerationenhaus „Heller Wohnen“ in Schwäbisch Hall am 31.01.2016

Am 31.01.2016 hat unsere Baugemeinschaft einen Ausflug nach Schwäbisch Hall gemacht um dort das Projekt Heller Wohnen kennenzulernen.

Begrüßung und Einführung

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Wir wurden von Sabine und Heidrun begrüßt. Es gab zunächst Kaffee und Kuchen und einige Hintergründe zum Wohnprojekt.

Es gibt insgesamt 22 Wohneinheiten mit 37 BewohnerInnen mit einer Altersspanne von 6 bis 85 Jahren. Die Wohnungen sind zwischen 45 und 106m² groß. Zudem gibt es mehrere Gemeinschaftsräume mit insgesamt 150m² Fläche. Das komplette Projekt ist Barrierefrei bzw. behindertengerecht umgesetzt

Zentrales Motiv von Heller Wohnen ist generationenübergreifend zu wohnen, da dies die bereicherndste Wohnform sei. Das Projekt hat einen genossenschaftlichen Ansatz und setzt sich sowohl aus Eigentümern als auch aus Mietern zusammen.

Wichtig ist allen eine soziale Durchmischung mit In- und Ausländern, Menschen mit und ohne Handicaps, Singles, sowie Paare, Familien und Wohngemeinschaften.

Wesentliche Punkte in der Konzeption (stichwortartig):

  • Motivation bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in eigener Regie leben
  • Gemeinsame Bewältigung des Alltags
  • Untereinander „wohlwollend interessierte Nachbarschaft“
  • Auf sich selbst und andere achten
  • Hilfe anbieten und Hilfe annehmen
  • Balance finden zwischen Individualität und Gemeinschaft
  • Selbstverwaltung
  • Stadtteilarbeit/Nachbarschaftspflege

Vorausgegangen war bei den Beteiligten die „bewusste Entscheidung zusammen zu leben“ und deshalb auch viel gemeinschaftliche Flächen für Begegnung ein zu planen.

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So gibt es auf 2 Etagen Gemeinschaftsräume: einen großen Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile und Toilette; darunter ein Gästeappartement, einen Kinderraum und einen Mehrzweckraum. Die BewohnerInnen sind in verschiedenen AGs aktiv, z.B. in einer Werkstatt- AG. Es finden regelmäßig (14tägig) Hausversammlungen statt und 3 – 4mal pro Jahr gibt es einen Themennachmittag, bei dem man sich intensiv mit anstehenden Themen befasst. Sie veranstalten Feste. Entscheidungen werden „im Konsens“ getroffen (dazu gibt es verschiedene Verfahren).

Im mittleren Gebäudeteil sind zwei Wohngemeinschaften eingerichtet für späteren Pflegebedarf der BewohnerInnen. Aktuell sind in diesen WG junge Menschen, die in Ausbildung oder Studium sind, untergebracht.

Wichtig war für den Bau Nachhaltigkeit, d.h. Einsatz von sinnvollen Baustoffen, begrünte Dächer mit Fotovoltaik und Solartechnik. Es gibt eine Zisterne mit zwei Tanks für Regenwasser.

Die Stadtteilarbeit ist rege. Kinder aus der Nachbarschaft gehen mittlerweile „ein und aus“, nutzen großzügig Räumlichkeiten und Angebote zum basteln und spielen. Es werden Stadtteilfeste organisiert und der Kontakt mit der naheliegenden Waldorfschule wird gepflegt.

Besichtigung

Nach dieser Einführung zur Konzeption besichtigten wir das Gebäude.

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Es gibt 4 zusammenhämgende Gebäudeteile: 1 Gemeinschaftshaus mit Dachterrasse und 3 Wohngebäude; alle sind mit Laubengängen untereinander verbunden. Alle Wohnungen haben Fußbodenheizung und Parkett. Die Grundrisse sind individuell. Wir haben zwei Wohnungen besichtigt mit sehr unterschiedlichen Grundrissen, auf die Bedürfnisse der beiden Bewohnerinnen abgestimmt. Alle Wohnungen sind Behinderten/Rollstuhl gerecht.
Bei der Planung war von Anfang an eine Mitbewohnerin im Rollstuhl dabei; dank ihrer Anregungen ist der gesamte Gebäudekomplex tatsächlich rollstuhl- und behindertengerecht. „Jeder soll jeden besuchen können“.

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Die Waschküche (mit Tageslicht) ist ausgestattet mit fünf Waschmaschinen einzelner Mitbewohner, die von allen genutzt werden können und pro Waschgang mit einem kleinen Unkostenbeitrag verrechnet werden. Die Abrechnung erfolgt pragmatisch über eine nach Waschtemperatur unterteilten Strichliste. Das damit eingenommene Geld kommt in den Gemeinschaftstopf. Die Idee war einmal, dass in keiner Wohnung eine private Waschmaschine mehr sein sollte.  Um das Waschen und andere Tätigkeiten (bügeln, Wäsche aufhängen etc.) geselliger zu gestalten, gibt es ein Bücherregal, einen ausziehbaren Tisch für Näharbeiten, eine Nähmaschine.

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Eine Tür weiter ist die Werkstatt.

Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme/Blockkraftwerk. Es gibt einen Fahrradraum in dem die Hauszähler sind.

Die Betriebskosten sind moderat. Dies ist aber nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Hausgemeinschaft die Verwaltung komplett selbst übernimmt. Die BewohnerInnen haben diverse Arbeitsgemeinschaften in denen sich jede/r nach Fähigkeiten und Vorlieben einbringen kann.

Weitere Infos und Fragerunde

Nach der Besichtigung kamen wir wieder im Gemeinschaftsraum zusammen, bekamen weitere Informationen und haben eine Fragerunde gemacht.

Samstagvormittags 11.30 Uhr: „Subbotnik„: freiwillige Treffen für Arbeiten im und um das Haus und um 13.00 Uhr danach gemeinsames Mittagessen für alle, die sich beteiligt haben, gekocht von jemandem aus der Hausgemeinschaft. Dies wird rege angenommen, es finden sich meist 5-6 Leute die gemeinsam aufräumen, putzen und Haus und Garten in Schuss halten.

Wie kommen wir in der Hausgemeinschaft zu Entscheidungen?

–> Ein Konsensprinzip wird angewandt

Beispiel eines Themennachmittags: ein Bewohner ist mittlerweile schwer dement . Wie wird damit umgegangen? Was ist mit der geplanten Pflege-WG? Eine Kleinwohnung für eine Pflegekraft zur Verfügung stellen?

Andere Finanzierungsmodelle als Alternative gefunden nachdem die Landesförderung gestrichen wurde.

Einige Mietwohnungen konnten dadurch finanziert werden, dass befreundete Investoren, denen das Konzept gefallen hat, Wohnungen gekauft haben, um sie zu vermieten ( nicht aus wirtschaftlichen Gründen). Außerdem haben 4 Mitbewohner im Projekt gemeinsam zusätzlich eine Wohnung finanziert, um sie zu vermieten.  Sie gründeten einen Verein .

Die WG- Wohnungen sind im Besitz der Pro- Wohngenossenschaft. Der Verein „Heller Wohnen e.V.“ ist Generalmieter und verwaltet und vermietet die einzelnen Zimmer an junge Menschen. Ein Satzungszweck des Vereins ist „Jugend- und Altenhilfe“.

Gästeappartement-Organisation durch zwei Personen.  Jede BewohnerIn hat 7 Tage im Jahr Anrecht auf das Gästeappartment.

Bei Mieterwechseln gemeinsame Entscheidung durch eine Kleingruppe aus der Hausgemeinschaft und z.B. den Privatanlegern als Vermieter.

Nochmal Zahlen, Daten, Fakten:

  • Baubeginn 2010/Einzug 2012 KfW 55
  • Gruppengründung 2002 durch eine Veranstaltung der VHS Schwäbisch Hall

Besuch des Französischen Viertels in Tübingen

Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen aus unserem Wohnprojekt „Bern+Stein“ hat sich am 16. Januar auf den Weg nach Tübingen gemacht, um das französische Viertel kennenzulernen.

Nach Abzug der französischen Garnison Anfang der 90er Jahre plante die Stadt ein neues Stadtviertel auf den freiwerdenden Flächen und unter Berücksichtigung der Kasernen und anderen Altbauten. Herausgekommen ist ein Viertel besonderer städtebaulicher Prägung: Eine Mischung von Wohnungen, Arbeitsstätten, Studentenwohnheimen, Cafés aller Art, Galerien. Eine vielfältige, abwechslungsreiche und teilweise farbenfrohe Architektur, enge Bebauung im Wechsel mit breiten Straßen und großzügigen Plätzen. Einer der Plätze ist sogar überdacht: eine ehemalige Panzerhalle.

Für die ca. 3000 Bewohner ist ein urbanes Viertel eigener Art entstanden. Dies zieht übrigens viele Besucher an. Eine Besonderheit des französischen Viertels sind die vielen Baugemeinschaften, die hier den Raum hatten, eine neue Form des gemeinsamen Bauens zu entwickeln, und damit auch wesentlich den Charakter des Viertels beeinflussten. Mit unserem Wohnprojekt bauen wir auf diesen Erfahrungen auf.

Das französische Viertel hat auch eine ausgeprägte soziale Infrastruktur. Ihr Kristallisations-punkt ist das zentral gelegene Werkstatthaus. Frau Josefine Gras – Vertreterin der dortigen Baugemeinschaft – brachte nur wenig Zeit mit und konzentrierte sich auf die Geschichte des Hauses. Am Anfang stand die Entscheidung der Baugemeinschaft dieses Hauses, 10 % der jeweiligen Bausumme als Startfinanzierung für die Gemeinschaftseinrichtung zur Verfügung zu stellen, um eine Basis für das Gemeinschaftsleben zu haben. Daraus ist dann das Werkstadthaus mit seinem beeindruckenden Angebot entstanden: Werkstätten für Holzarbeiten, für Reparatur von Fahrrädern, zum Nähen, zum Töpfern usw. Dazu gibt es Kurse, Anleitungen und Hilfestellungen, diese Angebote auch zu nutzen. Darüber hinaus gibt es ein Eltern-Kind-Café, ein Reparaturcafé u.a. Die großzügigen Räume laden zu gemeinschaftlichen Aktivitäten ein, sie können aber auch zu privaten Feiern gemietet werden. Das Werkstatthaus ist ein Eckstein der Nachbarschaft und für das ganze Viertel.

Beim anschließenden Spaziergang durch das Viertel machte uns Herr Wiehl auf die vielen Besonderheiten baulicher Art aufmerksam – u.a. auf ein gerade in Bau befindliches Haus, das wie unsere zukünftigen Häuser Laubengänge und einen ziemlich dunklen Anstrich hatte, ähnlich der Farbgebung, die wir für uns diskutieren. Solch ein Beispiel ist für die eigene Meinungsbildung hilfreich.

Nicht nur gezeichnete Pläne und Grundrisse helfen uns bei der Vorstellung, wie wir einmal in „Bern+Stein“ leben werden, sondern durch solche Ausflüge erfahren wir auch mehr, mit wem wir zukünftig in einem Haus leben werden. Deshalb sind solche Ausflüge wichtig für die entstehende Gemeinschaft.