Stellplatz-Zwang

Die während der initialen Projektphase geltende Landesbauordnung (LBO)  verpflichtete den Bauherrn pro Wohnung einen Stellplatz zu bauen. Zum März 2015 wurde diese Bauordnung novelliert, somit ist eine Reduktion dieses Schlüssels um 25% für sonstige Anlagen möglich. Es muss das Ziel sein, dass diese Reduktionsmöglichkeiten auch für Wohngebäude möglich zu machen.

Unsere Baugemeinschaft beschäftigt sich seit der Konzeption mit der Möglichkeit des Car-Sharing, zusätzlich hat die Bernsteinstraße 4 in etwa drei Minuten Laufweite eine U-Bahn-Haltestelle. Daher wollen bzw. brauchen nicht alle zukünftigen Bewohner einen PKW-Stellplatz. Daher waren wir sehr erfreut über die Möglichkeit weniger Stellplätze bauen zu müssen. Die Baugemeinschaft möchte nur so viele PKW-Stellplätze bauen wie sie auch benötigt.

Die Landesbauordnung lässt dies nun zu, möglich ist es in Stuttgart derzeit noch nicht. Die Stadt Stuttgart muss hier einen eigenen Beschluss fällen – dieser steht bislang aus.

Daher hat unser Baubetreuer Architekt Wiehl stellvertretend für die Baugemeinschaft den Bürgermeister Fritz Kuhn, den Baubürgermeister, das Amt für Stadtplanung, die Gemeinderatsfraktionen und die Kontaktstelle der Stadt Stuttgart für Baugemeinschaften offiziell angeschrieben.

Wir erhoffen uns eine in unserem Sinne gerichtete Entscheidung der Stadt.

Das Anschreiben im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Kuhn,
ich schreibe ihnen als Baubetreuer im Namen der Mitglieder der Baugruppe Bern + Stein in der Bernsteinstraße in Stuttgart Heumaden. Wir sind eine bunte Zusammensetzung aus allen Generationen, mit verschiedenen Handicaps und in verschiedenen sozialen Situationen. Dies reicht in der Nutzungsmischung von frei finanziertem Wohnraum, über geförderten Wohnraum bis hin zu Wohnungen mit Sozialbindung (Wohnberechtigungsschein). Dies entspricht den Vorgaben der Stadt Stuttgart nach einer Mischung in den Baugemeinschaften. Alle haben wir das Ziel, die Vorreiter für eine sichere und umweltfreundliche Zukunft zu sein.
Unsere Baugemeinschaft hat sich im Vorfeld lange mit der Errichtung von gemeinsamem, kostengünstigem und ökologischem Wohnraum beschäftigt, um dadurch auch neue und vielfältige Wohnformen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, in eine ökologische und Sicherheit gebende Zukunft schauen zu können und in der Baugemeinschaft ein gemeinsames zukunftsorientiertes Leben zu führen.

In den durch die bhz Stuttgart betreuten Wohneinheiten leben Menschen die in der Regel gar keinen Führerschein besitzen und somit auch keine Stellplätze benötigen. Mit großem Interesse haben wir deswegen die Novellierung der Landesbauordnung zur Kenntnis genommen und besonders die Möglichkeit einer Stellplatzreduktion um 25%. Die Stadt verweist in ihrem Entwurf zum Energiekonzept auf den Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“. Darin sind als Ziele die Schaffung von verbesserten Rahmenbedingungen für den ÖPNV und den Fuß- und Radverkehr und von Anreizen für weniger Fahrten mit dem motorisierten Individualverkehr genannt.
Gerne sind wir Vorreiter für dieses Konzept. In unseres würde dies passen: Wenige Car-Sharing Stellplätze zu schaffen statt viele Individual-Stellplätze. Wir betrachten die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Carsharing und Fahrrädern als zukunftsorientiert und nutzen diese Möglichkeiten schon heute.
Auch der Aspekt des kostengünstigen Bauens für Baugemeinschaften, bei gleichzeitig zu erwartenden Mehrkosten durch das energetische Konzept, zwingt uns dazu unnötig erzeugte Baukosten zu vermeiden. Da nur noch ein Teil der Baugemeinschaftsmitglieder aus oben genannten Gründen ein Fahrzeug und Interesse an einem Stellplatz haben, möchten wir gerne diese vorgeschlagene Reduktion der Stellplätze wahrnehmen, indem wir die bislang für uns vorgeschriebene Anzahl von 23 Stellplätzen (23 WE) auf 18 Stellplätze reduzieren und durch 20 Fahrradstellplätze ersetzen. Für unsere Bedürfnisse würden 17 Stellplätze ausreichen.

Für die ungenutzten Stellplätze haben wir keine Verwendung.
Diese Verschwendung von Platz und Ressourcen ist unsererseits nicht gewünscht und sicherlich nicht im Sinne einer nachhaltigen Gestaltung. Uns ist bekannt, dass zur Umsetzung unseres Wunsches der Stellplatzreduktion ein Beschluss der Stadt notwendig ist und bitten Sie, einen solchen Beschluss nicht nur in unserem Interesse,
sondern auch für weitere Baugemeinschaften bald umzusetzen.

Ich richte im Namen der Baugruppe Bern + Stein die Frage an Sie, ob es die Möglichkeit einer kurzfristigen Ausnahmeregelung gibt.

Mit freundlichen Grüßen
Dietmar Wiehl

30 150523 Stadt Schreiben Stellplatzreduktion

 

 

---Update August---
Die Stadt hat signalisiert, dass eine diesbezügliche Beschlussfassung derzeit nicht zur Debatte stünde - eine Alternative, die Stellplatzreduktion gemäß LBO für geförderte Wohnungen zu vollziehen ist für die Gruppe keine gangbare Möglichkeit (man müsste die Stellplätze nach Auslaufen des Förderzeitraums ggf. nachbauen).
Daher werden wir für jede Wohnung einen Stellplatz bauen müssen!

Fortschritte

Meine Frau und ich waren seit einiger Zeit dabei uns Eigentumswohnungen in und um Stuttgart anzusehen. Die Wohnungen waren immer entweder unbezahlbar, zu klein, baufällig oder schlecht gelegen. Das bange Gefühl uns auf Jahrzehnte finanziell für eine Wohnung zu binden, bei der man nicht einmal die Nachbarn kennt war grundsätzlich etwas was uns gestört hat. So kamen wir auf die Idee uns mit Alternativen zum konventionellen Wohnungskauf zu beschäftigen.

Im November 2014 sind wir auf das Projekt Bern+Stein aufmerksam geworden und haben bei einem ersten Treffen die Leute kennengelernt, die dabei mitmachen. Wir waren uns relativ schnell darüber klar, dass wir hier mit dabei sein wollen.

Wir wurden (wie alle Anderen Interessenten auch) nach einer Vorstellungsrunde von den anwesenden Baugruppenmitgliedern akzeptiert und somit aufgenommen – keine Selbstverständlichkeit, da alles basisdemokratisch entschieden wird.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Im Laufe von meist zweiwöchentlich stattfindenden Baugruppensitzungen, die manchmal bis zu fünf Stunden dauerten wurden Vertragsentwürfe diskutiert, die Wohnungszuordnung besprochen und viele Details zur Gestaltung der Haus- und Gartenanlagen, sowie der Gemeinschaftsräumlichkeiten geklärt. Aus einer Kostenschätzung wurde eine Kostenberechnung, Einsparpotentiale wurden diskutiert und beschlossen.

Seit einigen Wochen ist nun  der Baugemeinschaftsvertrag unterschrieben und der Bauantrag wird demnächst eingereicht. Ich hoffe dass die Prüfung durch das Stuttgarter Bauamt sich nicht allzu sehr in die Länge zieht. Vielleicht gibt es bald Neuigkeiten, die auch an dieser Stelle veröffentlicht werden.

Ich – und ggf. auch Andere aus der Baugruppe-  werde(n) versuchen im Laufe dieses (voraussichtlich bis Ende 2017 laufenden) Projektes darüber zu berichten, wie eine Baugemeinschaft entsteht und gedeiht. Da Baugemeinschaften in Stuttgart noch die absolute Ausnahme sind soll hier versucht werden einen Einblick zu geben damit Leute, die sich mit dem Gedanken tragen selbst eine Baugemeinschaft zu gründen oder sich einer Baugemeinschaft anzuschließen, die Möglichkeit haben sich zu informieren und  auch mit uns in Kontakt treten können.