Heller Wohnen

Besichtigung des Mehrgenerationenhaus „Heller Wohnen“ in Schwäbisch Hall am 31.01.2016

Am 31.01.2016 hat unsere Baugemeinschaft einen Ausflug nach Schwäbisch Hall gemacht um dort das Projekt Heller Wohnen kennenzulernen.

Begrüßung und Einführung

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Wir wurden von Sabine und Heidrun begrüßt. Es gab zunächst Kaffee und Kuchen und einige Hintergründe zum Wohnprojekt.

Es gibt insgesamt 22 Wohneinheiten mit 37 BewohnerInnen mit einer Altersspanne von 6 bis 85 Jahren. Die Wohnungen sind zwischen 45 und 106m² groß. Zudem gibt es mehrere Gemeinschaftsräume mit insgesamt 150m² Fläche. Das komplette Projekt ist Barrierefrei bzw. behindertengerecht umgesetzt

Zentrales Motiv von Heller Wohnen ist generationenübergreifend zu wohnen, da dies die bereicherndste Wohnform sei. Das Projekt hat einen genossenschaftlichen Ansatz und setzt sich sowohl aus Eigentümern als auch aus Mietern zusammen.

Wichtig ist allen eine soziale Durchmischung mit In- und Ausländern, Menschen mit und ohne Handicaps, Singles, sowie Paare, Familien und Wohngemeinschaften.

Wesentliche Punkte in der Konzeption (stichwortartig):

  • Motivation bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in eigener Regie leben
  • Gemeinsame Bewältigung des Alltags
  • Untereinander „wohlwollend interessierte Nachbarschaft“
  • Auf sich selbst und andere achten
  • Hilfe anbieten und Hilfe annehmen
  • Balance finden zwischen Individualität und Gemeinschaft
  • Selbstverwaltung
  • Stadtteilarbeit/Nachbarschaftspflege

Vorausgegangen war bei den Beteiligten die „bewusste Entscheidung zusammen zu leben“ und deshalb auch viel gemeinschaftliche Flächen für Begegnung ein zu planen.

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So gibt es auf 2 Etagen Gemeinschaftsräume: einen großen Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile und Toilette; darunter ein Gästeappartement, einen Kinderraum und einen Mehrzweckraum. Die BewohnerInnen sind in verschiedenen AGs aktiv, z.B. in einer Werkstatt- AG. Es finden regelmäßig (14tägig) Hausversammlungen statt und 3 – 4mal pro Jahr gibt es einen Themennachmittag, bei dem man sich intensiv mit anstehenden Themen befasst. Sie veranstalten Feste. Entscheidungen werden „im Konsens“ getroffen (dazu gibt es verschiedene Verfahren).

Im mittleren Gebäudeteil sind zwei Wohngemeinschaften eingerichtet für späteren Pflegebedarf der BewohnerInnen. Aktuell sind in diesen WG junge Menschen, die in Ausbildung oder Studium sind, untergebracht.

Wichtig war für den Bau Nachhaltigkeit, d.h. Einsatz von sinnvollen Baustoffen, begrünte Dächer mit Fotovoltaik und Solartechnik. Es gibt eine Zisterne mit zwei Tanks für Regenwasser.

Die Stadtteilarbeit ist rege. Kinder aus der Nachbarschaft gehen mittlerweile „ein und aus“, nutzen großzügig Räumlichkeiten und Angebote zum basteln und spielen. Es werden Stadtteilfeste organisiert und der Kontakt mit der naheliegenden Waldorfschule wird gepflegt.

Besichtigung

Nach dieser Einführung zur Konzeption besichtigten wir das Gebäude.

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Es gibt 4 zusammenhämgende Gebäudeteile: 1 Gemeinschaftshaus mit Dachterrasse und 3 Wohngebäude; alle sind mit Laubengängen untereinander verbunden. Alle Wohnungen haben Fußbodenheizung und Parkett. Die Grundrisse sind individuell. Wir haben zwei Wohnungen besichtigt mit sehr unterschiedlichen Grundrissen, auf die Bedürfnisse der beiden Bewohnerinnen abgestimmt. Alle Wohnungen sind Behinderten/Rollstuhl gerecht.
Bei der Planung war von Anfang an eine Mitbewohnerin im Rollstuhl dabei; dank ihrer Anregungen ist der gesamte Gebäudekomplex tatsächlich rollstuhl- und behindertengerecht. „Jeder soll jeden besuchen können“.

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Die Waschküche (mit Tageslicht) ist ausgestattet mit fünf Waschmaschinen einzelner Mitbewohner, die von allen genutzt werden können und pro Waschgang mit einem kleinen Unkostenbeitrag verrechnet werden. Die Abrechnung erfolgt pragmatisch über eine nach Waschtemperatur unterteilten Strichliste. Das damit eingenommene Geld kommt in den Gemeinschaftstopf. Die Idee war einmal, dass in keiner Wohnung eine private Waschmaschine mehr sein sollte.  Um das Waschen und andere Tätigkeiten (bügeln, Wäsche aufhängen etc.) geselliger zu gestalten, gibt es ein Bücherregal, einen ausziehbaren Tisch für Näharbeiten, eine Nähmaschine.

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Eine Tür weiter ist die Werkstatt.

Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme/Blockkraftwerk. Es gibt einen Fahrradraum in dem die Hauszähler sind.

Die Betriebskosten sind moderat. Dies ist aber nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Hausgemeinschaft die Verwaltung komplett selbst übernimmt. Die BewohnerInnen haben diverse Arbeitsgemeinschaften in denen sich jede/r nach Fähigkeiten und Vorlieben einbringen kann.

Weitere Infos und Fragerunde

Nach der Besichtigung kamen wir wieder im Gemeinschaftsraum zusammen, bekamen weitere Informationen und haben eine Fragerunde gemacht.

Samstagvormittags 11.30 Uhr: „Subbotnik„: freiwillige Treffen für Arbeiten im und um das Haus und um 13.00 Uhr danach gemeinsames Mittagessen für alle, die sich beteiligt haben, gekocht von jemandem aus der Hausgemeinschaft. Dies wird rege angenommen, es finden sich meist 5-6 Leute die gemeinsam aufräumen, putzen und Haus und Garten in Schuss halten.

Wie kommen wir in der Hausgemeinschaft zu Entscheidungen?

–> Ein Konsensprinzip wird angewandt

Beispiel eines Themennachmittags: ein Bewohner ist mittlerweile schwer dement . Wie wird damit umgegangen? Was ist mit der geplanten Pflege-WG? Eine Kleinwohnung für eine Pflegekraft zur Verfügung stellen?

Andere Finanzierungsmodelle als Alternative gefunden nachdem die Landesförderung gestrichen wurde.

Einige Mietwohnungen konnten dadurch finanziert werden, dass befreundete Investoren, denen das Konzept gefallen hat, Wohnungen gekauft haben, um sie zu vermieten ( nicht aus wirtschaftlichen Gründen). Außerdem haben 4 Mitbewohner im Projekt gemeinsam zusätzlich eine Wohnung finanziert, um sie zu vermieten.  Sie gründeten einen Verein .

Die WG- Wohnungen sind im Besitz der Pro- Wohngenossenschaft. Der Verein „Heller Wohnen e.V.“ ist Generalmieter und verwaltet und vermietet die einzelnen Zimmer an junge Menschen. Ein Satzungszweck des Vereins ist „Jugend- und Altenhilfe“.

Gästeappartement-Organisation durch zwei Personen.  Jede BewohnerIn hat 7 Tage im Jahr Anrecht auf das Gästeappartment.

Bei Mieterwechseln gemeinsame Entscheidung durch eine Kleingruppe aus der Hausgemeinschaft und z.B. den Privatanlegern als Vermieter.

Nochmal Zahlen, Daten, Fakten:

  • Baubeginn 2010/Einzug 2012 KfW 55
  • Gruppengründung 2002 durch eine Veranstaltung der VHS Schwäbisch Hall