Besuch des Französischen Viertels in Tübingen

Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen aus unserem Wohnprojekt „Bern+Stein“ hat sich am 16. Januar auf den Weg nach Tübingen gemacht, um das französische Viertel kennenzulernen.

Nach Abzug der französischen Garnison Anfang der 90er Jahre plante die Stadt ein neues Stadtviertel auf den freiwerdenden Flächen und unter Berücksichtigung der Kasernen und anderen Altbauten. Herausgekommen ist ein Viertel besonderer städtebaulicher Prägung: Eine Mischung von Wohnungen, Arbeitsstätten, Studentenwohnheimen, Cafés aller Art, Galerien. Eine vielfältige, abwechslungsreiche und teilweise farbenfrohe Architektur, enge Bebauung im Wechsel mit breiten Straßen und großzügigen Plätzen. Einer der Plätze ist sogar überdacht: eine ehemalige Panzerhalle.

Für die ca. 3000 Bewohner ist ein urbanes Viertel eigener Art entstanden. Dies zieht übrigens viele Besucher an. Eine Besonderheit des französischen Viertels sind die vielen Baugemeinschaften, die hier den Raum hatten, eine neue Form des gemeinsamen Bauens zu entwickeln, und damit auch wesentlich den Charakter des Viertels beeinflussten. Mit unserem Wohnprojekt bauen wir auf diesen Erfahrungen auf.

Das französische Viertel hat auch eine ausgeprägte soziale Infrastruktur. Ihr Kristallisations-punkt ist das zentral gelegene Werkstatthaus. Frau Josefine Gras – Vertreterin der dortigen Baugemeinschaft – brachte nur wenig Zeit mit und konzentrierte sich auf die Geschichte des Hauses. Am Anfang stand die Entscheidung der Baugemeinschaft dieses Hauses, 10 % der jeweiligen Bausumme als Startfinanzierung für die Gemeinschaftseinrichtung zur Verfügung zu stellen, um eine Basis für das Gemeinschaftsleben zu haben. Daraus ist dann das Werkstadthaus mit seinem beeindruckenden Angebot entstanden: Werkstätten für Holzarbeiten, für Reparatur von Fahrrädern, zum Nähen, zum Töpfern usw. Dazu gibt es Kurse, Anleitungen und Hilfestellungen, diese Angebote auch zu nutzen. Darüber hinaus gibt es ein Eltern-Kind-Café, ein Reparaturcafé u.a. Die großzügigen Räume laden zu gemeinschaftlichen Aktivitäten ein, sie können aber auch zu privaten Feiern gemietet werden. Das Werkstatthaus ist ein Eckstein der Nachbarschaft und für das ganze Viertel.

Beim anschließenden Spaziergang durch das Viertel machte uns Herr Wiehl auf die vielen Besonderheiten baulicher Art aufmerksam – u.a. auf ein gerade in Bau befindliches Haus, das wie unsere zukünftigen Häuser Laubengänge und einen ziemlich dunklen Anstrich hatte, ähnlich der Farbgebung, die wir für uns diskutieren. Solch ein Beispiel ist für die eigene Meinungsbildung hilfreich.

Nicht nur gezeichnete Pläne und Grundrisse helfen uns bei der Vorstellung, wie wir einmal in „Bern+Stein“ leben werden, sondern durch solche Ausflüge erfahren wir auch mehr, mit wem wir zukünftig in einem Haus leben werden. Deshalb sind solche Ausflüge wichtig für die entstehende Gemeinschaft.